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Geschichte des Tai Ji

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Die Geschichte des Taijiquan

Die Ursprünge des Taijiquan (Oberstes höchstes Boxsystem), welches auch Schattenboxen genannt wird, sind bis heute nicht restlos geklärt, Legenden überlagern historisch greifbare Informationen. Während die einen die Ursprünge auf Mitte des 8.Jhs n.u.Zr. datieren, verweisen andere auf einen Zheng Shanfeng als Urheber hin (hier kommen zwei gleichlautende Personen in Frage, die eine bezieht sich auf einen taoistischen Priester und angeblich ehemaligen Meister des Shaolin, der im Wudang Gebirge um die Zeit der Eroberung der Yuan Dynastie durch die Ming Dynastie lebte; die andere war ein Alchemist der im Wudang Gebirge während der Herrschaft von Huizong aus der Song Dynastie im 12. Jh. lebte).
Historische Untersuchungen in den 30er Jahren des 20. Jh. setzten fest, dass Taiji seinen Ursprung bei Chen Wangting hat, der Region Wen in der Provinz Henan den Stil Mitte des 17. Jhs. begründet haben soll: „Die Chen Familien des Chenjiagou Dorfes lernten Cheng Wangtings Boxübungen und „push hand“ Techniken und tradierten diese von Generation zu Generation. Nach 5 Generationen war das Schattenboxen der Chen Schule an Cheng Changxing (1771-1853) übertragen worden, dieser lehrte es Yang Luchan (1799-1872), der in der Region von Yongnian in der Hebei Provinz geboren wurde. Später entwickelte sich diese Linie zur Yang Schule und dieses entwickelte sich in einer späteren Periode zur Wu Schule des Schattenboxen weiter. Wu Yuxiang (1812-1880), der aus der Gegend von Yonging stammte, lernte das originale Schattenboxen der Chen Schule von Yang Luchan und den Zhaobao-Stil des Schattenboxen der Chen Schule von Chen Qingping; er verband diese um daraus das Schattenboxen der Wu Schule zu begründen, aus welcher wiederum später die Sun Schule entstand. Dies sind die wohlbekannten 5 Schulen der traditionellen Formen (routines) des Schattenboxen, deren Beziehungen bezüglich ihrer Evolution und Entwicklung untereinander sehr klar sind.“
(Quelle: Go Liuxin in: Chen Style, Taijiquan, Bejing 1984, 1-11; übersetzt von B. Bühler).
Der Yangstil wurde dann von Yang Luchan über dessen 3. Sohn Yang Jianhou (1839-1917), der den Zhong Jia (mittleren Rahmen) bildete, an den 3. Sohn von Yang Jianhou, Yang Chengfu (1883-1935) unterrichtet, der den Da Jia (grossen Rahmen) entwickelte. Yang Chengfu wiederum brachte mehrere Schüler hervor, die den Stil weiter tradierten, unter diesen war auch Cheng Manching (1900-1975). Dieser verfasste für Yang Chengfu das „Handbuch für Taijiquan“ und war Arzt von Tschiang Kai Tschek. In den 30er Jahren entwickelte Manching aus der sog. „Langform“ von Yang Chenfu (mit 108, bzw. 85 Teilen, je nachdem wie gezählt wird), die 37-teilige Kurzform (auch „Manching Kurzform“ genannt). Manching verkürzte die Form, damit diese leichter zu erlernen war und somit einfacher einem grösseren Publikum zugänglich gemacht werden konnte. Diese Form verbreitete er folglich in Taiwan und später auch in den USA (New York), wo er zahlreiche Schüler fand (darunter auch der vor kurzem verstorbene Meister T.T. Liang). Da Manching zahlreiche Bücher über Taijiquan verfasste, wurde er zum wohl bedeutendsten Förerer und Promotoren des Stils in den USA, England und Europa. Manchings Standpunkt war, dass Taiji ein zentrales chinesisches Kulturvermächtnis zur Selbstkultivierung des Menschen darstellt, von dem nicht nur Chinesen, sondern die ganze Welt profitieren können sollte.
(Lawrence Galante, bei dem der Autor dieser Zeilen Taiji erlernte, war Schüler von Manching.)
Im Verlauf der Geschichte und Entwicklung des Taiji bis heute ergaben sich allerdings starke Verschiebungen in der Gewichtung der Form: Während der ursprüngliche Chen Taijistil äusserst kämpferisch in teils sehr tiefen Stellungen und mit teils heftigen Rhythmuswechseln ausgeführt wird, war der Stil von Yang Chenfu gleichmässig im Ablauf und höher in den Stellungen. Während der Chenstil bis heute als der eigentliche „Kampfstil“ des Taiji gilt, werden dem Yangstil vor allem Gesundheitsförderung und Selbstverteidigung zu gleichen Teilen beigemessen. (Das heisst natürlich nicht, dass der Chenstil als nicht gesundheitsfördernd zu betrachten ist, sondern dass der Schwerpunkt des Stils woanders liegt.)
Im Allgemeinen traten im 20 Jh. die Selbstverteidigungsaspekte im Training des Taiji in den meisten Schulen in den Hintergrund und es gibt heute nur noch relativ wenige Schulen, welche die Kunst inklusive ihrer Anwendungen unterrichten. (Solche sind z.B.: Wang Wei Guo, Paris; Thierry Alibert, Frankreich; Jan Silberstorf, Hamburg; Lawrence Galante, NYC und Yan Gaofei, USA; Zhu Tiancai, China und Chen Xiaowang, Bejing; Wudang Schule Dan Docherty, England; Thorben Rif, Dänemark; Mantak Chia demonstriert in seinen Kursen ebenfalls gelegentlich Anwendungen; Boris Bühler, Schweiz).
Das das Integrieren von Anwendungen des Taiji im Unterricht dient aber nicht dazu, Taiji zu einem Kampfsport zu machen, sondern der Veranschaulichung der dem Stil innewohnenden Prinzipien (sowie zur Selbstverteidigung).
(Im Shogun Magazin 06/2004 erschien zum Thema „Anwendungen des Taijiquan“ von B. Bühler, der das Thema ausführlich ausleuchtet).
Ergänzend ist noch zu erwähnen, dass Taiji sich auf der philosophischen Schule des Taoismus entwickelte, welches chinesichen Ursprungs ist und bereits im 4. Jh v.u.Zr. in den Schriften von Lao Tse, Menzius, Dschuang Dsi und Qu Yuan als Gesundheitsstärkungsmethoden erwähnt wurden. Aus diesem Grund wird Taiji auch die „Innere Schule“ (im Gegensatz zur „äusseren Schule“ des Shaolin) bezeichnet. Im Gegensatz zur „äusseren“ Schule vermeidet Taiji im Kampf direkte Frontalkontakte und sucht stattdessen den Weg „mit 1 Unze 100 Unzen zu überwinden“, d.h. eine Möglichkeit, die in der Technik enthaltene Energie um- oder abzuleiten, diese zu speichern und auf den Angreifer zu retournieren, wobei als Spezialität des Stils Stösse eingesetzt werden. Auf philosophischer Ebene ist die Erlangung von „Unsterblichkeit“ (auf irdische Dimensionen reduziert: „gesundheisförderung und lebensverländerung“) das Ziel taoistischen Kung Fu, während das buddhistische Shaolin Kung Fu auf die „die Erleuchtung“ (welche über Ausschaltung der Begierden das Leid eliminiert) hin arbeitet.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Taijiquan und Shaolin:

Beiden psychophysischen Trainingssystemen ist gemein, dass sie u.v.a. die Gesundheit, Spiritualität und Konzentrationsfähigkeit des Menschen stärken sollen.
Während die als „hart“, rasch und dynamisch empfundenen Stile des Shaolin vor allem von jungen Menschen geschätzt werden, bevorzugen viele ältere Menschen die mit innerer Stärke kombinierte Sanftheit und Eleganz des Taiji.
Während im Shaolin die Übungen der Selbstverteidigung („Kampf“) von jenen der Gesundheitsstärkung (Qi Kung) getrennt ausgeübt werden, flossen im Taijiquan die beiden Aspekte zu einer Einheit zusammen. Während im Shaolin die Gliedmassen abgehärtet werden, werden diese im Taijiquan durch innere Lenkung der Energie (Knochenatmungs Qi Kung, bzw. Nei Kung) von innen heraus gestärkt; auf „harte“ Abhärtungsübungen wird üblicherweise Verzichtet.
Während in den Selbstverteidigungsübungen des Shaolin die Anwendungen offengelegt werden, sind diese im Taijiquan in vielen Schulen eine nur an den Meisterschüler tradiertes „Geheimnis“ (wobei allerdings tui shou/push hands, die sanfte Anwendungsschulung für Nahkampf, in fast allen Schulen des Taiji unterrichtet wird).
Beiden Systemen gemeinsam ist oft auch die hohe Wertschätzung gegenüber dem Stilbegründer, bzw. Stilvertreter durch dessen Person der Stil in die unterrichtende Schule kam. Diese Tradition ist aufgrund der zahllosen Schulen und Systeme, welche entstanden, insofern bedeutend, als ein Kenner der Szene daran erkennen kann, wo die Wurzeln des Systems liegen

 

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