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Legende
Foto Cheng Manqing
Cheng
Manqing (1900-1975) war Dichter, Maler, TCM
Arzt und Meister des Taiji. Er war Schüler von
Yang Cheng Fu und verkürzte in den 40er Jahren
dessen Langform zur 37-teiligen Kurzform, um diese
besser an Menschen in unserer von Hektik geprägten
Zeit unterrichten zu können. Die Form von Manqing
vereint Meditation, Qigong im Gehen mit Selbstverteidigung
und dient der mentalen und physischen Selbstkultivierung.
Manqing trug durch seine Unterrichtstätigkeit
in Taiwan und New York, sowie durch seine zahlreichen
Schriften über Taiji massgeblich zur Verbreitung
in USA, Europa und England bei.
Lawrence Galante, der Lehrer von B. Bühler, war
direkter Schüler von Meister Manqing. |
Was
ist Tai Ji Chuan heute?
Tai
Chi Chüan als komplexes Gesundheitssystem von
B. Bühler
Was ist Tai Chi Chüan? Welche Bedeutung hatte
es früher, welche hat es heute?
Tai
Chi Chuan (die überlegendste, oberste Boxtechnik)
besteht aus einer exakt festgelegten Bewegungsabfolge,
die langsam und fliessend ausgeführt wird. Die
Bewegungsabfolge setzt sich aus einer bestimmten Anzahl
Einzelteile zusammen, welche harmonisch so miteinander
verknüpft werden, dass sie in einander übergehen
und am Schluss eine einzige Bewegungseinheit bilden.
Diese Bewegungesabläufe sind Techniken der Selbstverteidigung,
die früher zum Kämpfen gebraucht wurden
und sich als sehr hohe Kampfkunst etablierten. Da
aber erkannt wurde, dass die langsame, konzantrativ-meditative
Ausübung dieser Bewegungsabfolge die Gesundheit
bis ins hohe Alter erheblich zu stärken in der
Lage ist, trat die kämpferische Art der Umsetzung
allmählich immer stärker in den Hintergrund.
Heute orientieren sich dementsprechend viele - vor
allem moderne Stile des Tai Chi - an der primär
«energetischen», nicht mehr der «kämpferischen»
Ausübung. Daneben gibt es aber auch noch z.B.
die alte, sogenannt «authentische» Ausübung
des Yang Stils (nach Cheng Man Ching), in der beide
Arten der Ausübung gleichberechtigt praktiziert
werden; also die «kämpferische» und
«friedliche» Gesundheitsvorsorge miteinander
kombiniert blieben. Yang Stil Tai Chi (nach Cheng
Manching) ist also ein Stil des sanften Kung Fu (ununterbrochenes,
hartes arbeiten oder auch Selbstmeisterung). |
Wie
funktioniert Tai Chi als System der Gesundheit?
Die
theoretische Grundlage zum Verständnis der gesundheitlichen
Wirkungsweise bildet das System der Traditionell Chinesischen
Medizin: durch die Ausübung der langsamen Bewegungsabfolge,
die gepaart mit der Qi Gong Atemtechnik (Atemkontrolle)
ausgeführt wird, «pumpt» man sogenannt
«innere Energie» (Chi, Qi, Ji oder im
japanischen Ki) durch die Meridiane des körpereigenen
Energiesystems. Dadurch werden einerseits Blockierungen
im inneren Energiefluss beseitigt, andererseits wird
die Versorgung der inneren Organe mit Energie verbessert,
wodurch sie in ihrer Funktion gestärkt werden.
Zum anderen wird sowohl die Atemtechnik, als auch
der langsam fliessende Bewegungsablauf vom Kopf gesteuert,
was für diesen eine beruhigende Wirkung entfaltet
und u.a. «stressabbauend» wirkt. Gleichzeitig
wird z.B. dabei die Konzentrationsfähigkeit und
das Gedächnis verbessert. Das Endresultat regelmässig
und korrekt ausgeführten Tai ChiÕs ist
eine umfassend gestärkte physische und psychische
Gesundheit, was auch in westlich medizinischen Studien
bestätigt wird. Daneben gibt es noch weitere
positive Wirkungen auf die wir hier nicht weiter eingehen
können; Tai Chi kann z.B. auch als «Impersonifizierung»
der taoistischen Philosophie aufgefasst werden. |
Für
welche Krankheiten und Gesundheitsprobleme wirkt Tai
Chi vorbeugend oder heilend? Was sind die Voraussetzungen
dafür? Spielt das Alter eine Rolle?
In
China kennt man zahllose Krankheiten gegen die Tai
Chi eingesetzt werden kann. Zum Beispiel hilft Tai
Chi gegen Arthritis, Bronchitis, Erkältungen,
Diabetes, Herzkrankheiten, Blutdruckprobleme, Nierenprobleme,
Tuberkulose, Rheuma und «Stress» oder
Müdigkeit, wobei es vorbeugend oder zur Heilungsunterstützung
eingesetzt werden kann. Oder auch gegen das Altern
wirkt die Form (d.h. der Bewegungsablauf) vorbeugend,
was auch der Grund dafür ist, dass Tai Chi in
China heute vorwiegend von älteren Menschen täglich
in öffentlichen Pärken geübt wird.
Das regelmässige praktizieren der Bewegungsabfolge
stärkt den Kreislauf, fördert das Gleichgewichtsempfinden
und stärkt insbesondere auch die Knochen, bzw.
den gesamten Bewegungsapparat. Tai Chi ist also eine
Art individuelle, chinesische Gratis-Krankenkasse.
Unter diesem Aspekt wird auch nachvollziehbar, dass
einige (vor allem jüngere) Stilrichtungen des
Tai Chi sich auf die primär energetische Ausübung
spezialisiert haben. Die Voraussetzung, dass Tai Chi
aber auch gesundheitsvorbeugend oder heilend wirkt
ist (in allen Stilen) zuallererst das korrekte Üben
der Bewegungen; doch darin ist einerseits das korrekte
Ausüben der in der Form enthaltenen Qi Gong Atemtechnik
und andererseits regelmässiges und kontinuierliches
üben unerlässlich. Ohne diese drei Teile
kann kein umfassender Erfolg garantiert werden, während
hingegen z.B. das Alter der Schülerinnen und
Schüler im Tai Chi eine nur untergeordnete Rolle
spielt. Klar findet dann im Unterrichten eine altersmässige
Diversifizierung statt, indem jüngere Menschen
die Form tiefer auszuüben lernen als ältere,
oder insofern, als jüngere die Bewegungsabläufe
möglicherweise etwas rascher erlernen. Dafür
können ältere Menschen manches oft mit erhöhter
Disziplin und Beharrungsvermögen wett machen.
Der Kern des Unterrichts ist aber für alle Lebensalter
und beide Geschlechter gleichermassen geeignet. Die
Herkunft der Tai Chi-Übenden ist übrigens
ebenso irrelevant, wie ihr Alter: wenn Chienesen von
den gesundheitlichen Aspekten des Tai Chi profitieren
wollen, dann müssen auch sie die Form genau so
lernen wie wir Westler und werden dabei mit exakt
denselben Problemen des Erlernens und der Disziplin
konfrontiert. Also gilt auch für China, dass
die Meister nicht vom Himmel fallen. |
Noch
eine Frage zum Selbstverteidigungscharakter des Tai
Chi: ist es kein Widerspruch, Gesundheitstraining
mit Selbstverteidigung zu kombinieren?
Nein.
Nach westlichem Verständnis scheint das eher
so, doch ist das letztendlich eine Frage der Interpretationsweise.
Im Endeffekt dient Selbstverteidigung ebenfalls der
Gesundheitserhaltung, auch wenn es sich um eine Anwendung
in meist raren Ausnahmesituationen handelt. Dementsprechend
werden die kämpferischen Aspekte in den diversen
Stilen auch sehr unterschiedlich betont; es gibt (vor
allem moderne) Stile in denen sie (fast) gänzlich
verschwunden sind. Doch da in moderner Zeit ältere
wie jüngere Menschen immer häufiger auch
Ziele von überfällen werden, halte ich es
für sinnvoll, das Tai Chi zwar zu etwa 80-90%
in gesundheitlich-friedlicher Ausprägung zu üben,
aber im Rest auch ganz klar immer wieder die ganz
konkreten Anwendungsmöglichkeiten für den
persönlichen Selbstschutz zu betonen. Zuerst
kommt die Gesundheitheitsstärkung, dann die Gesundheitsbewahrung.
Für letzteres sind auf höherer Stufe insbesondere
die sogenannten Push hands Übungen (tui shou
= schiebende Hände), welche im Tai Chi Chinas
vor allem von älteren Menschen geübt werden,
von unerlässlicher Bedeutung. Doch obwohl auch
diese übungen als sehr praxisnahe «Trockenübungen»
für die Selbstverteidigung bezeichnet werden
können, sollte Push Hands extrem sanft und «friedlich»
ausgeübt werden. Im Tai Chi werden somit Übung
und Anwendung sehr strikt getrennt, wenn auch beide
untrennbar miteinander verwoben sind.
© 14.9.98/Erneuert 18.1.01 und Dez 2008 by Boris
Nicolaj Bühler.
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